Chirsipfäffer

Zum Zeitgeschehen

11-02-2026
von Rudolf Mohler
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Bocuse – ein Monument

Heute, am 11. Februar 2026, wäre der berühmte französische Spitzenkoch Paul Bocuse 100 Jahre alt geworden.

Wir haben ihn in seinem Restaurant in Collonges-au-Mont-d‘Or nördlich von Lyon im September 1975 das erste Mal erlebt. In doppeltem Sinne, wir hatte seine Küche genießen dürfen und er war sogar im Haus, machte später am Abend die Runde bei den Gästen und blieb bei uns zu einem Gespräch stehen. Wir hatten die außerordentliche Gelegenheit, ihm ein paar Fragen zu stellen und einen Austausch zu pflegen. Für uns war es das erste Haus, das mit drei Michelin-Sternen dekoriert war. Für uns ist das heute noch unser Einstieg in die Welt der ganz hohen Kochkunst.

Ich habe sogar ein paar Einzelheiten in bester Erinnerung. Die«amuses bouche» waren von großer Raffinesse, sehr fein gearbeitet und ein unwiderstehlicher Einstieg in einen großen Abend. Ebenso waren dann am Schluß des Menus die «friandises» von der selben großen Klasse. Unvergessen bleibt die «soupe aux truffes noires VGE», manchmal auch «soupe Elysée» genannt. Das war eine Kreation von Bocuse anfangs des Jahres. Der neue französische Staatspräsident Valérie Giscard d’Estaing, oft einfach VGE genannt, gab am 25. Februar 1975 ein Bankett im Élysee aus Anlaß seiner Ernennung zum Chevalier de la Légion d’Honneur. Zum großen Menu, an dem verschiedene Spitzenköche mitwirkten, steuerte Paul Bocuse diese spezielle Suppe bei. In einer consommé double werden Karotten, Zwiebeln, Sellerie und Champignon gekocht. Dazu gegeben wird Rindfleisch vom Schulterstück, blanc du poulet und vor allem foie gras und schwarzer Trüffel. Die Suppe wird in einem Suppentöpfchen serviert, auf das man einen Deckel aus Blätterteig legt und das Ganze im Ofen aufbäckt. Der Gast klopft dann die Blätterteighaube ein und ein wirklich köstlicher Duft von Fleischbrühe, Gemüsearomen, foie gras– und Trüffelduft strömt einem direkt in die Nase. Unvergeßlich!

Bocuse verstand nicht nur das Kochen, er war vielleicht der erste in der Kochbluse, der auch ganz genau gewußt hatte, wie man sich selbst vermarkten muß.

Bocuse wird eine der größten Persönlichkeiten der hohen Gastronomie bleiben, auch wenn ihn Kollegen und Konkurrenten aus der gleichen Altersklasse und vor allem auch Unzählige aus dem Nachwuchs doch bald einmal überholt hatten.

Eine Hommage gebührt ihm heute noch, denn er hat unglaublich viel für die Entwicklung einer exzellenten Kochkunst geleistet.

11.02.2026 RM

31-12-2025
von Rudolf Mohler
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Zum 2026

 

Wir verlassen ein Jahr, das uns längst überwunden Geglaubtes in grellstem Licht zurückgebracht hat. Und damit sind einmal mehr unsere letztjährigen Wünsche und Hoffnungen auf ein besseres Jahr einfach den Bach hinuntergespült worden. Was bleibt uns mit Blick auf das kommende Jahr? Ich halte es für mich bescheiden mit einem Wort von Johann Wolfgang Goethe: «Andre Zeiten andre Sorgen».

Allen Verwandten, Freunden und Bekannten wünsche ich, die «andre Sorgen» mögen für Euch alle erträglich werden. Ich wünsche Euch im Persönlichen viel Erfolg, gute Freundschaften, eine rechte Portion Gelassenheit und vor allem Gesundheit.  

Ruedi Mohler

 

31-12-2025
von Rudolf Mohler
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À mes amis gourmands – «bon appétit et large soif» en 2026

Chères amies gourmandes, chers amis gourmands

Der Rückblick auf das kulinarische Jahr 2025 ist für mich recht erfreulich. Es gab viele Stunden, in denen man Ausgezeichnetes genießen durfte, in denen man Neues aus der Kochkunst erleben konnte und in denen man auch köstliche Tropfen verkosten und vor allem viele neue Weine entdecken durfte.

Für den Weg durchs 2026 halte ich Euch eine Einsicht von Jean Valby, dem Wiederbegründer der Chaîne des Rôtisseurs, bereit: «An gut gedeckten Tischen ist noch nie ein Krieg erklärt, aber schon mancher Friede geschlossen worden.» Mit diesem Gedanken wünsche ich allen meinen gastronomischen Freunden und Bekannten ein gutes, gesundes und genußreiches neues Jahr.
Möge «bon appétit et large soif» auf allen Wegen mit Euch sein.

Ruedi Mohler

09-03-2025
von Rudolf Mohler
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Kann ein Pastis alt werden?

Für die Pastis-Liebhaber berichte ich hier über einen besonderen Pastis-Test, den uns ein Freund aus der Oberwiler Gastroszene, Emanuele Perticone von der Osteria Schwanen, ermöglicht hatte. Er wußte, daß wir Pastis-Liebhaber sind und schenkte uns deshalb eine recht alte, ungeöffnete Flasche Pastis Duval mit der Bitte, diese einmal zu verkosten. Hier das Resultat.


Links im Bild sieht man eine heutige Flasche Duval. Auf dem Rücketikett findet man wegen der Rückverfolgung die vorgeschriebenen Codes, mit denen man heutzutage das Herstellungsdatum herausfinden kann. Rechts sieht man die geschenkte Flasche. Auf der Etikette gibt es kein Herstellungsdatum, ebenso wenig Codes und Strichcodes. Mit einer Suche im Internet habe ich herausgefunden, daß diese Etikette 1980 auf den Flaschen erschien. Somit dürfte unser Testobjekt aus den ersten 1980er Jahren stammen.

Nun zum Test

Nach Öffnung des Originalverschlusses der Flasche gibt es zuerst einen
Schnuppertest: Einwandfrei, schönes Anisaroma.
Augentest
: Der eingeschenkte Pastis war immer noch ganz klar und zeigte die gewünschte leuchtende Farbe.
Haltbarkeitstest: Der Moment der Wahrheit kommt beim Pastis, wenn man das Wasser zugibt. Beginnt der Pastis zu flocken, dann ist «Anis und Süßholz» verloren. Ergibt sich keine regelmässige Trübung sondern eher eine Art Wolkenbildung, ist der Pastis auch für den Schüttstein. Bei diesem Pastis, der ein Alter von 40 bis 45 Jahren hatte, setzte mit der Zugabe von Wasser sofort die Trübung ein und zog sich gleichmäßig durch die Flüssigkeit, genau so, wie es sein muß.

Geschmackstest: Es ist alles da, was zu einem Duval gehört: Anis, Süße von der Lakritze, florale Noten von der Pflanzenbeigabe, die geheim bleibt. Doch ähnlich wie bei Wein hat dieser sicher 40 Jahre alte Pastis Duval den Ausdruck von Frische verloren.

Es war eine sehr interessante Verkostung, die man ganz selten machen kann. Pastis und Absinthe sind Produkte, die nicht der Lagerung bedürfen. Wenn sie im Gestell des Händlers stehen, sind sie auch zum Verbrauch bestimmt. Deshalb kann man kaum ältere Pastis kennenlernen. Wenn eine geöffnete Flasche längere Zeit herumsteht, dann weiß ich aus Erfahrung, daß der Pastis dann einmal «kippt» und ungenießbar wird. Das hier dokumentierte Erlebnis mit einem unüblich alten Pastis war nur möglich, weil die Flasche immer noch original verschlossen war.
Danke, Emanuele, daß Du uns das ermöglicht hast.

 

09.03.2025  RM

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01-01-2025
von Rudolf Mohler
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Zum 2025

 

Wie oft haben wir uns in den letzten Jahrens gegenseitig gewünscht, es möge im kommenden Jahr mit weniger Verbrechen, Terror, Verfolgungen, Gewalt und Krieg weitergehen? Den Wunsch müssen wir wohl streichen. Vielleicht mit Hoffnung ersetzen? Oder tauschen wir bloß zwei trügerische Begriffe aus?

Allen Verwandten, Freunden und Bekannten wünsche ich jedoch für den ganz persönlichen Bereich ein gutes und glückliches 2025. Ich wünsche Euch Zuversicht und Gelassenheit, Frieden und Freundschaft, Erfolg und Zufriedenheit. Und ganz besonders wünsche ich allen gute Gesundheit. 

Ruedi Mohler

 

 

 

 

 

 

01-01-2025
von Rudolf Mohler
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À mes amis gourmands – «bon appétit et large soif» en 2025

Chères amies gourmandes, chers amis gourmands

Der Rückblick auf mein gastronomisches und önologisches 2024 ist sehr erfreulich. Es gab köstliche Tropfen zu kosten und viele ausgezeichnete Gerichte zu genießen. Die vielen Höhepunkte reichten von stechfrischen Spargeln über zarte Fische zu leichtem Geflügel und auch zu würzigem Wild. Ein besonderer Höhepunkt war die Langoustine mit Artischoken in «meiner Stammbeiz an der Rhône». (Patrick Henriroux, «La Pyramide», Vienne/Frankreich; Bild RM)

Für uns alle erhoffe ich ein gutes 2025 und wünsche allen gastronomischen Freunden und Bekannten nur das Beste, gute Gesundheit und stets «bon appétit et large soif».

Ruedi Mohler

12-11-2024
von Rudolf Mohler
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Romand und Oberwiler zugleich

Im Gedenken an Jacques Filliol

Ende Oktober 2024 hat Jacques Filliol im Alter von 93 Jahren diese Welt verlassen. Der Verstorbene kam 1931 in Spanien zur Welt, wo sein Vater als Ingenieur-Agronom tätig war. Schon bald kehrte die Familie in die Schweiz zurück, nach Orbe im Waadtland. Jacques Filliol studierte an der EPFL  –  der École  polytechnique fédérale de Lausanne, quasi die  welsche ETH  –  und schloß seine Studien als Maschineningenieur ab. Bereits in jungen Jahren kam er nach Basel zur BBC und dann zur Sulzer-Burckhardt AG. Schon bald gründete er eine Familie, die nach Oberwil kam, wo sie sich fest verankerte.

Bereits in den 1970er Jahren wurde Filliol von der FDP Oberwil für die Baukommission vorgeschlagen. Nachdem sein Vorgänger Benjamin Jungen per 1. Januar 1980 in den Gemeinderat einzog, wählte die Baukommission Jacques Filliol zu ihrem Präsidenten. Mit großer Umsicht führte er die Kommission, die eine wesentliche Stütze für den Gemeinderat war und viele große Geschäfte begleitet hatte. Bei der Gesamterneuerung der Kommissionen auf den 1. Januar 2001 trat er dann nicht mehr an. Wenn man von außen manchmal hörte, er sei ein «harter BK-Präsident», so war das eine falsche Wahrnehmung, denn seinen Berufshintergrund und das damit verbundene analytische, logische Denken konnte er nicht einfach wegwischen. Aber er war ein sehr umgänglicher, fröhlicher Mensch mit Humor und oft auch einem herrlichen Schalk.

Mit ihm, dem seine Genfer Herkunft wichtig war, habe ich viele Gespräche geführt und ihn so wahrgenommen, wie ich viele Genfer und Neuenburger Freisinnige erlebt habe: Solide, aber nicht überschäumende Eidgenossen, stets zu einem interessanten, differenzierten Gespräch bereit, wohlwollend-kritisch mit einer gewissen Distanz zu allem, was überbordender Staat ist. Er lebte gerne hier in Oberwil, aber er war stets auch ein Romand, dem seine Romandie wichtig war und der seine Muttersprache liebte. Und in einem Punkt ist er sogar ein richtiger Waadtländer geworden: Wenn es die Gelegenheit bot, dann hatte er mit seinen Gesprächspartnern sehr gerne «un verre de blanc» genommen.

Rudolf Mohler, alt Gemeindepäsident

07.11.2024 RM
(verfaßt für die FDP Oberwil, publiziert auf deren Webseite)

 

31-05-2024
von Rudolf Mohler
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Tripes de veau au Champagne

Vor kurzem stand bei uns ein kulinarischer Luxus auf dem Programm, der neben dem üblicherweise unter kulinarischem Luxus zu Erwartendem vorbeigeht.

Tripes de veau au Champagne
Kalbskutteln mit Champagner

Gut und lange gekochte Kalbskutteln bringen einen perfekten Goût von Kalb. Die im Bild unten ersichtliche Sauce ist ohne ein Bindungsmittel wie Rahm, Maizena oder (noch schlimmer) Mehl wunderbar sämig geworden, einzig aus dem Kutteljus und ein bißchen Weißwein. Gehackte glatte Petersilie rundet das Gericht sehr gut ab. Geschmacklich ergibt das einen Hochgenuß inklusive der Kutteln selbst.

Als Begleitung wählt man am besten etwas sehr Zurückhaltendes wie Salzkartoffeln oder Teigwaren. Teigwaren nehmen die Kuttelsauce noch etwas besser an als Kartoffeln. Rüebli, die nur in Butter angezogen und im eigenen Saft gekocht werden, passen hervorragend.

Auf drei Dinge kommt es an:

  • Es müssen Kalbskutteln sein; lassen Sie die normalerweise angebotenen Rindskutteln liegen!
  • Im letzten Moment auf dem Feuer müssen Sie die Kutteln mit einem „Gutsch“ Champagner verfeinern.
  • Tomaten oder Kümmel sind verboten, denn sie versauen ganz einfach das großartige Geschmackserlebnis.

Überwinden Sie Ihre Abneigung gegen Kutteln, Sie werden eine kulinarische Überraschung erleben. Ja, und sparen Sie nicht, es ist eine gute Flasche Champagner wert, denn der Inhalt dieser Flasche wird Sie nach dem „Gutsch“ auch zum Essen begleiten.

31.05.2024 RM