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Ich bin kein Schweizer – mehr!

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Nun weiß ich es: Ich bin kein Schweizer.

Als ich vor geraumer Zeit davon hörte, die SVP wolle ihre diesjährige Wahlkampagne unter den Slogan „Schweizer wählen SVP“ stellen, schob ich das beiseite. Ich dachte nicht, daß es ihnen damit ernst sein könnte. Nicht einmal der laufende Wahlkampf im Kanton Baselland bestätigte mir das bis jetzt, denn auf den Plakaten heißt es „Für s Baselbiet“ . So ein Slogan ist unverfänglich und könnte fast von jeder Kantonalpartei für kantonale Wahlen aufs Plakat gedruckt werden. Immerhin wirkt „Für s Baselbiet“  sachlicher als der anbiedernde Vers der FDP.Die Liberalen „Aus Liebe zum Baselbiet„.

Doch nun lehrt mich der Zürcher Wahlkampf etwas Anderes. In der NZZ  –  und sicher auch in andern Zeitungen  –  kann man viertelseitige, querformatige Inserate bestaunen in denen über einem schwungvollen Schlenker in großen Lettern tatsächlich steht: „Schweizer wählen SVP“.

Die SVP hat zu kluge Propagandaköpfe, um nicht zu wissen, was die Kehrseite dieser Aussage heißt: Wer nicht SVP wählt, ist keine Schweizerin, kein Schweizer.  Ja, ich gehe weiter und lege mich fest. Die SVP hat diese Kehrseite nicht nur in Kauf genommen. Diese Kehrseite ist gewollt; ja noch mehr: Sie ist die eigentliche psychologische und politische Botschaft dieser national-konservativen, populistischen Partei.

Die SVP beansprucht mit solchen Aussagen, allein über das „Gralswissen“ zu verfügen, was schweizerisch sei. Damit könnte man leben, denn es sind schon andere (und sogar bessere) und in andern Zusammenhängen am Schluß als die Nichtwissenden dagestanden. Aber sie will mehr. Zusammen mit ihrem ganzen Gehabe im politischen Alltag schwingt sich die SVP mit diesem Slogan zur Richterin darüber auf, was schweizerisch sei und was nicht.

Mit meinem jahrzehntelangen, persönlichen Engagement in öffentlichen Ämtern  –  nota bene stets auf einer bürgerlichen Linie  –   lasse ich mir nicht von einer einzigen Partei vorschreiben, was schweizerisch ist und was im Gesamtinteresse unseres Landes zu stehen habe. Das ist der tiefe Grund, warum ich noch nie SVP gewählt habe.

Nun hat mich diese Partei auch noch ausgebürgert: Ich bin also kein Schweizer mehr. Und deshalb kann ich in der Zukunft erst recht nie SVP wählen!

Auf meine einzelne Stimme kommt es für die SVP im Wahljahr 2011 nicht an. Aber ich bin überzeugt, daß es in kommenden Jahren noch viele bisherige SVP-Wählerinnen und -Wähler merken werden, in welch arroganter Art und Weise sie durch diese Partei mißbraucht werden. Und dann wird es für die SVP auf jede dieser fehlenden Stimmen ankommen.

Es wird noch dauern. Aber der Tag kommt, an dem auch die Mehrzahl der „SVP-eingebürgerten“ Schweizerinnen und Schweizer  merken wird, daß wir in einer stets stärker verflochtenen Welt mit einer Politik aus helvetischem Chauvinismus, nationaler Abkapselung, falschverstandener Vaterlandsliebe und dauerndem Erschallen der „Glocken der Heimat“ nur einem einzigen schaden. Uns selber, den Schweizerinnen und Schweizern, dem Schweizer Volk.

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