Chirsipfäffer

Zum Zeitgeschehen

«Aufregend war es immer»

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Portisch in der Diskussion

Mit Hugo Portisch (1927) ist am 1. April 2021 einer der bedeutendsten Journalisten des deutschen Sprachraums verstorben. Portisch war jedoch weit mehr als Journalist. Er war auch Publizist und Zeithistoriker. Und vor allem auch Filmautor im ORF. Mit der Reihe Österreich II  –  II für die zweite Republik  –  und der späteren Reihe Österreich I  –  für die erste Republik, die er mit dem Ableben von Kaiser Franz Josef im Jahr 1916 mitten im ersten Weltkrieg beginnen lies, wurde Portisch so etwas wie der Geschichtslehrer der österreichischen Nation. Ihm lag sehr viel daran, das lange gehegte österreichische Geschichtsbild vom Opfer der Nationalsozialisten an den richtigen Ort zu bewegen: Österreich war in Portischs Sicht durchaus auch Opfer der Nazis, aber Österreich war eben auch unübersehbar ein Mittäter im Nationalsozialismus.

Mit seinem Volksbegehren gegen das Parteienproporz-Fernsehen in Österreich stand er in den 1960er-Jahren am Anfang der Entwicklung zum selbständigen ORF. Ganz ohne Parteien gelang es ihm in Zusammenarbeit mit vielen Medien insgesamt über 800’000 Unterschriften für das Begehren in ganz Österreich beizubringen.

Portisch hatte in der ganzen Welt Zugang zu wichtigsten Akteuren der Politik. Entscheidend war in seinem eigenen Rückblick seine konsequente Einstellung, niemals einen Gesprächspartner in die Pfanne zu hauen. Geschickt hatte er es auch verstanden, die Zwischenstellung des neutralen Österreichs zwischen dem Ostblock und der westlichen Allianz zu nutzen und das Vertrauen aller Akteure nie zu enttäuschen.

Portisch veröffentlichte viele Sachbücher, von denen sein Lebensrückblick wohl zurecht den Titel trägt «Aufregend war es immer».
Bereits am Abend von Portischs Tod brachte ORF III  –  für mich der beste deutschsprachige Fernsehkanal  –  eine herausragende Gesprächssendung zur Würdigung des Verstorbenen. Teilnehmer waren seine frühere Produktionsleiterin und Weggefährten von Portisch sowie der Generaldirektor des ORF und sogar der frühere österreichische Bundespräsident Heinz Fischer. Gesprächssendungen von solch qualitativem Format würde ich gerne im SRF sehen; z.B. anstelle dieser drögen, sich wöchentlich wiederholenden Coronapalaver im Club am Dienstagabend.
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Ein Kommentar

  1. Ich kannte chirsipfeffer nicht. Gute Beiträge.
    ORF finde ich alle 3 besser als SRF oder die beiden deutschen, ORF III auch den besten.
    Schöne Ostern und
    Schöne Grüsse

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