Chirsipfäffer

Zum Zeitgeschehen

04-06-2018
von Rudolf Mohler
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Vierzig Jahre Le Figaro Magazine

Le Figaro ist eine der wenigen nationalen Zeitungen in Frankreich. Und die älteste noch existierende Tageszeitung in unserem westlichen Nachbarland. 1826 wurde das Blatt als Satirezeitung gegründet. In Anspielung auf die auch damals als Dorf- oder Stadtzeitungen bewerteten Barbiere und Coiffeure wurde das Blatt mit dem Titel Le Figaro herausgebracht, was sich bis heute gehalten hat. Aus Deutschschweizer und auch aus Deutscher Sicht sind wir uns Zeitungen gewohnt, die internationale und nationale Ansprüche abdecken wollen und sich zudem auch noch im ökonomischen und im kulturellen Feld bewegen wollen. Das ist in Frankreich bei der riesigen Zahl von Regionalzeitungen überhaupt nicht so. Da steht die goldene Hochzeit und das neue Fußballfeld im Vordergrund. Deshalb muß man auf die nationalen Zeitungen Le Figaro, Le Monde und Libération zurückgreifen. Wenn ich in Frankreich unterwegs bin, ist Le Figaro meine tägliche Lektüre. Und mit einem gewissen Schmunzeln schaue ich mir immer auch regionale Blätter an.  

Im Jahre 1978 hat sich die Leitung des Le Figaro dazu entschlossen, am Wochenende auch noch ein Magazin herauszubringen. Am 7. Oktober 1978 erschien zum ersten Mal Le Figaro Magazine. Der damals schon renommierte Publizistikmann und Generaldirektor der Firma Publicis, Maurice Lévy, schätze das Vorhaben so ein: „ça ne marchera jamais, votre truc“ (eure Kiste wird nie funktionieren). Da hatte sich der Mann aber schwer getäuscht. Das ganz besondere Konzept von Le Figaro Magazine überzeugte sofort. Es hieß: Aktualität in Politik und Kultur, darüber hinaus vor allem auch Kultur, Kunst und die l’art de vivre. Letzteres heißt zu deutsch Lebenskunst   –  aber der deutsche Begriff kann das französische l’art de vivre nie wirklich fassen.

Ich kenne kein Wochenmagazin, das diese gekonnte Mischung des Le Figaro Magazine oder, wie es auch salopp genannt wird, des Fig Mag nur annähernd erreichen kann. Keines im französischen, keines im deutschen und wahrscheinlich auch keines im englischen Sprachraum. Die Qualität der Themen, die Qualität der geschriebenen Beiträge und vor allem auch die Qualität der Fotografien ist herausragend. Auf dieses Magazin, das mir soviel Wissenswertes über Frankreich, seine Kultur und die Lebensweise seiner Bürgerinnen und Bürger vermittelt, möchte ich nicht verzichten. Zudem trägt es ganz hübsch dazu bei, daß ich mein Französisch immer à jour halten kann. Ich trachte danach, wenigstens einmal, lieber zweimal im Monat den Freitags-Figaro mit dem Magazin zu kaufen und zu lesen.
(02.11.2021: Seit über zwei Jahren lese ich Le Figaro Magazine wöchentlich.)

Auf der Tageszeitung ist unter dem Kopf das Motto der Zeitung festgehalten. Es stammt vom Dichter Beaumarchais und heißt:

Sans la liberté de blâmer, il n’est point d’éloge flatteur.
Ohne die Freiheit zu tadeln, gibt es kein schmeichelhaftes Lob. 

Jedesmal, wenn ich ein Fig Mag lese, erlebe ich, daß dieses Motto auch für das wöchentliche Magazin gilt.

Kann man es mir nachsehen, daß mir dieses Motto sehr gut gefällt?


Titelbild der ersten Ausgabe von Le Figaro Magazine

03-06-2018
von Rudolf Mohler
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Gebühren ohne Grenzen

Gebühren sind Abgeltungen nach Aufwand für die von der Öffentlichen Hand besonders erbrachten Leistungen. Zum Beispiel für einen Pass oder für ein neues Nummernschild. Oder eben für meinen Wunsch, mir eine Baubewilligung zu erteilen. Weil das so ist, gilt für Gebühren das Prinzip, daß sie dem Zusatzaufwand der Öffentlichen Hand für meinen „gesteigerten Gemeingebrauch“, wie das die Verwaltungsjuristen nennen, entsprechen müssen.

Eine Gebührenregelung ohne Nachweis des effektiven Aufwands und ohne obere Begrenzung nimmt jedoch den Charakter von „Steuern zweiter Ordnung“ an.

Es gilt, den Einstieg in solche neuen Steuern jetzt zu verhindern. Und deshalb braucht es ein NEIN.

03-06-2018
von Rudolf Mohler
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Überforderungsinitiative überfordert

Eine Baselbieter Volksinitiative fordert

Stopp der Überforderung: Eine Fremdsprache auf der Primarstufe genügt.

Nun haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger darüber an der Urne zu befinden.

Diese Initiative verlangt, daß das Bildungsgesetz angepaßt und auch interkantonale Vereinbarungen gekündigt werden.

Erstaunlich finde ich in der Debatte über den Erwerb einer anderen Sprache, daß man immer wieder von Fachleuten lesen kann, erste Voraussetzung für das Erlernen einer Fremdsprache sei die gute Beherrschung der eigenen Sprache. Wenn dem so ist – und für einmal glaube ich hier den Experten –, so haben wir in der Deutschschweiz ein besonderes Problem. Wenn in der Primarschule das Französisch zum Unterrichtsstoff hinzukommt, dann ist das eben schon die zweite Fremdsprache, denn die deutsche Hoch- oder Standardsprache ist de facto bei uns die erste Fremdsprache. So gesehen, müßte man zu dieser Überforderungsinitiative Ja sagen.

Dem steht aber gegenüber, daß das einem Ausstieg aus der mühsam gefundenen Harmonisierung unter den Deutschschweizer Kantonen gleichkäme. Ein solcher Ausstieg bringt für die weitere Ausbildung der meisten Kinder mit Sicherheit später eine noch größere Überforderung. Wenn schon müßte vermutlich die konsequente Lösung darin gesucht werden, daß alle Kantone miteinander die eher unglückliche Konstruktion „drei Fremdsprachen“ abschaffen und wieder zum alten Modell mit Hochdeutsch und einer – in dem Sinne weiteren – Fremdsprache zurückkehren würden. Ehrlich gesagt, ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Ja in unserem Kanton zu dieser Initiative so eine Bewegung auslösen könnte.

Wenn ich alles abwäge, resultiert für mich daraus halt dann doch das Nein zu dieser Überforderungsinitiative.

 

02-02-2018
von Rudolf Mohler
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Seltenes Jubiläum in Oberwil

Herzlichen Glückwunsch

In den letzten Tagen dieses Monats dürfen Lucie und Rolf Waller das seltene Jubiläum der diamantenen Hochzeit feiern. Als die jungen Luzerner Leute sich standesamtlich und kirchlich Ende Januar 1958 das Ja-Wort gaben, hatten sie wohl kaum eine Vorstellung, daß Basel und das Baselbiet einmal ihr Lebensmittelpunkt werden könnten. Lucie und Rolf begegneten sich in England als beide Englisch lernen …

2018-01-25 Zur Diamantenen Hochzeit von Lucie und Rolf Waller


 

 

10-08-2017
von Rudolf Mohler
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Hercules Germanicus

Wir befinden uns im Luther-Jubiläumsjahr. Mehr dazu finden Sie weiter unten im Beitrag Luther im Jubeljahr.

Heute soll es ein bildlicher Diskussionsbeitrag aus der Reformationszeit sein. Von Hans Holbein d.J. stammt die 1522 in Basel entstandene Holzdruckgraphik

Luther als Hercules Germanicus

Auf diesem Holzschnitt vernichtet Luther mit der Keule die Autoritäten der römischen Kirche wie seinerzeit Herkules die vielköpfige Hydra. Mit der linken Hand würgt er den Kölner Dominikaner und Inquisitor Jakob van Hoogstraten. Zu seinen bereits erschlagenen Opfern am Boden zählen Aristoteles, Thomas von Aquin, Wilhelm von Ockham und Petrus Lombardus.

Für ein größeres Format klicken Sie hier auf das Blatt Hercvles Germanicvs.

Quelle:  Persistenter Link  http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-48901

 

28-07-2017
von Rudolf Mohler
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Bundesfeier? 1.-August-Feier? Nationalfeiertag?

Es ist offensichtlich schick geworden, sich distanzierend zu unserem Bundesfeiertag zu äußern. Die Fragezeichen sind nicht meine, es sind die Fragezeichen von Leuten, die sich gerne als ganz modern, entgrenzt und allem verbunden darstellen. Oft wird dann gleich noch die Abschaffung von allen Nationalfeiertagen postuliert. Als Argument muß der Gedanke herhalten, daß ja alles, so wie es gekommen ist, bloß einer Reihe von Zufällen zuzuschreiben sei.

Die Vorstellungen von Bundesgründung, Freiheitsakt, Kernzelle der Eidgenossenschaft, die wir gerne mit dem 1. August 1291 verbinden, sind Bilder, die vom 16. bis Ende des 19. Jahrhunderts an die Anfänge der Schweizer Geschichte herangetragen wurden. Dazu haben sicher die literarischen und musikalischen Werke von Schiller und Rossini ebenfalls noch ihre Beiträge geleistet.

Roger Sablonier, 1941 – 2010, der langjährige Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität Zürich, hatte vor ein paar Jahren ein Buch vorgelegt, das ganz gewaltig am schweizerischen Geschichtsbild rüttelt. In seinem Werk «Gründerzeit ohne Eidgenossen» hat er fachhistorisch, aber in einer anschaulichen, gut verständlichen Sprache ein neues Bild der Zeit zwischen 1291 und 1325 gezeichnet.

Der Spezialist für diese Epoche, die man uns als die Geburtszeit der Eidgenossenschaft beigebracht hat, bestreitet keineswegs, daß die Anfänge der Schweiz in diesem Zeitraum liegen. Aber er räumt auf mit dem hehren Bild von nach Freiheit strebenden Bauern aus den engen Alpentälern. Die Einbettung der Waldstätte-Geschichte in die Absichten der verschiedenen Könige und Kaiser, die sich an der Reichsspitze abgelöst hatten, zeigt ganz andere Hintergründe und Zusammenhänge auf. So suchten die Habsburger, die Luxemburger, die Wittelsbacher sich vor allem mit Vergabe von Rechten machtpolitisch ihre Ziele abzusichern. Die meisten vorhandenen Dokumente entpuppen sich vor allem als Aktionen zur Herrschaftssicherung, die gleichzeitig auch die Ordnung und die Macht der regional herrschenden Schichten sicherten! Deshalb ist der Morgartenbrief von Brunnen von 1315 das viel bedeutendere Dokument als der Bundesbrief von 1291.

Sollen wir nun die Bundesfeier abschaffen? Die Musik nach Hause schicken? Und das Feuerwerk für Silvester aufsparen? Ich denke: nein. An den Bundesfeiern stehen nicht mehr die drei senkrechten Eidgenossen vom Rütli im Zentrum sondern die heutigen Themen unseres Landes. Und wenn dabei der eine oder andere Blick auf die nun durchlüftete Geschichte gewagt wird, so ist das mehr als erfreulich. Denn so wird deutlich, daß der Weg unseres Landes nicht eine Reihung von Zufällen war. Aber erstaunlich ist es allemal, daß unser Land einen kontinuierlichen Weg beschreiten konnte, auf dem immer die Gewinnung, Sicherung und Erweiterung der Selbstbestimmung ein hohes Ziel war. Und das gilt auch dann, wenn es nicht 1291 mit kraftvollen Bauern auf dem Rütli begann, sondern vielleicht erst 1315 mit Menschen aus der Waldstätte, die damals halt über Einfluß und Macht verfügten.

(Als Frontartikel im BiBo vom 27.07.2017 publiziert.)